Januar 2009 Archive

Mittlerweile sind sowohl die Temperaturfühler installiert als auch die Anlage übergeben worden.

Und pünktlich wurde es auch ziemlich kalt, seit knapp einer Woche um -10 Grad Celsius, nachts gehen die Temperaturen seit 3 Tagen auf -16 Grad zurück. Und wir haben festgestellt, obwohl die Heizung auf Hochleistung bubbert, reicht die entstehende Wärme nicht aus. Im Wohnzimmer kommen wir nur mit Hilfe eines zusätzlichen Heizkörpers auf 22 Grad. Im Rest des Hauses schwankt die Temperatur zwischen 15 und 17 Grad.

Klares Fazit: Der Kessel ist für solche für Deutschland ungewöhnlich niedrigen Temperaturen unterdimensioniert. Allerdings: Wie oft wird es so kalt sein? Wegen ein paar Wochen gleich die nächste Leistungskategorie kaufen?

Alternativ könnte man natürlich auch das Haus dämmen. Diesmal nicht aus Kostengründen sondern aus Gründen, dass es überhaupt warm wird.  Denn nur aus Kostengründen umfangreiche Dämmassnahmen einzuleiten, halte ich für ökonomischen Schwachsinn. Die Zeitschrift Selbst hatte hier unlängst einmal eine Liste aufgestellt, was verschiedene Sanierungsmassnahmen bringen. Fassadendämmung sollte danach ca. 2,- je Quadratmeter bringen. Wenn man sich aber die Kosten anschaut, bei 80,- je Quadratmeter würde sich das (bei gleichbleibendem Energiepreis) erst nach 40 (!!) Jahren rechnen. Und ob das wirklich solange alles hält?

Da auch der Öko-Faktor nicht zählt (aktuell gibt es jedes Jahr noch mehr Holzwachstum als Holzverbrauch), ob ich 5 Tonnen oder 10 Tonnen verbrenne, ist bei Holz egal, da das entstehende Kohlendioxid beim Verrotten sowieso angefallen wäre.

Als kurzfristige Lösung haben wir erst einmal im gesamten Haus die Temperaturen auf 15 Grad reduziert, damit muss der Kessel nur die Temperatur halten und hat vielleicht ein paar Reserven das Wohnzimmer auf unsere Wohlfühltemperatur ohne zusätzliche Hilfe zu bringen.

Außerdem soll es ja "wärmer" werden... Die Temperaturen sollen ja die nächsten Tage auf -3 Grad Celsius klettern.

Aber was wir auf jedenfall machen werden: Alle alten Rohre werden von uns gedämmt werden, dass die nicht unnötig Wärme abgeben, wo sie nicht gebraucht wird!

 

Einige Tage sind nun vergangen, Zeit, praktische Erfahrungen zu sammeln. Die ersten Eindrücke sind auch ziemlich durchwachsen, sowohl was die Technik an sich betrifft als auch der menschliche Faktor.
  • Die Anleitung ist grottenschlecht. Immerhin findet man ein Glossar, in dem wichtige Begriffe erklärt werden. Allerdings sind das alles Begriffe, die ein kurzer Blick in ein Lexikon ebenfalls erklären würde. Dafür sind andere Begriffe nicht erklärt, die typisch für die Heizung sind. Was sind Freigabe-Zeiten? Nach vielem experimentieren fand ich heraus, das dies ein Synonym für Heizen ist. Hätten die das nicht gleich so schreiben können?
  • Das Benutzerinterface hat von usability noch nie etwas gehört. Zum Beispiel: Die Bedienung ist in zwei ebenen angeordnet: Eine Kundenebene und eine Systemebene. Letztere gibt mehr Funktionen frei, mit der man sich unter Umständen seine Anlage tüchtig verkonfigurieren kann. Aber warum in dreiteufelsnamen sind in der Kundeneben alle diese Einstellmöglichkeiten auch sichtbar? Natürlich kann man bei Auswahl einer solchen Funktion nichts ändern, es erscheint dann nur "Keine Parameter zum ändern vorhanden". Übersichtlicher und benutzerfreundlicher wäre es, wenn nicht änderbare Funktionen gar nicht erst sichtbar sind. Dass das geht, beweisen alle die ausgeblendeten Funktionen, die der Ausbau des Kessels gar nicht bietet.
  • Das Benutzerinterface hat ein vierzeiliges Display. Der beschränkte Platz zwingt an einigen Stellen zu Abkürzungen. An der Stelle fragt man sich, warum HDG nicht einfach ein echtes grafisches Display eingebaut hat. Kleine TFT-Displays kosten ja nun wirklich nicht die Welt.  Vermutlich hätteman nicht gewußt, was man mit den neuen Freiheiten hätte machen sollen, denn selbt die vier Zeilen des aktuellen Displays werden an anderen Stellen so schlecht genutzt, dass man sich wirklich fragt, warum mußten die hier abkürzen und hier so gedrängte die Anzeige gestalten?
  • Unkonsistente Benutzung der deutschen Sprache. Mal heisst es RUN, dann wieder AN, dann wieder 1 (für RUN). Ich glaube, LÄUFT habe ich auch schon gelesen.
  • Gestern waren unsere Heizkörper plötzlich alle kalt, bei Außentemperaturen von -8 Grad Celsius! Da der Kessel aber Wärme erzeugte, der Pufferspeicher heiss war, bedeutete das, dass die Wärme nur nicht verteilt wurde, ergo: Pumpe im Arsch, Steuersystem im Arsch und Ron kurz vorm Herzinfarkt. Doch hier gab es einen wirklichen Lichtblick: Ein Anruf bei unserem Heizungsbauer Leuendorff genügte und es wurde ein Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt, der sich um unsere Mistheizung kümmerte. Allerdings konte auch er den Fehler nur grob einkreisen, beseitigen kann ihn nur HDG selbst. Immerhin konnte er mittels Provisorium erreichen, dass die Pumpe wieder zirkulierte und die Wärme verteilt. Sehr schön! Vielen Dank!
  • HDG selbst ist auf menschlicher Ebene eine absolute Enttäuschung. Der zuständige Werksvertreter, der sich eigentlich spätestens am 29.12. wegen der Temperaturfühler bei uns melden wollte, meldete sich natürlich nicht und war auch sonst nicht zu erreichen. Am 30.12. riefen wir an. Als Auskunft erhielten wir nur patzig: Dieses Jahr nicht mehr, er ist im Urlaub im Ausland und es wäre besser jetzt das Telefonat zu beenden, da er Roaminggebühren zahlen müsse. Was sollte denn das bitte? Spätestens jetzt hatte HDG den Bogen ganz eindeutig überspannt. Eine Beschwerde war fällig. Die Antwort war wie zu erwarten: Ausweichend, bagatellisierend und eigentlich sind wir ja selbst schuld... das wir uns für HDG entschieden hatten, oder was?
  • Gestern kamen endlich die Messfühler bei uns an. Natürlich klingelte der Kurier nicht, sondern legte das Päckchen einfach vor die Gartentür. Zum Glück haben wir das mitbekommen, sonst lägen jetzt vielleicht zwei Päckchen dort.
Mein erstes Fazit: Mit der Firma Leuendorff haben wir wohl einen guten Griff getan. Die Technik des HDG-Kessels ist auch grundsätzlich in Ordnung (die schlechte Dokumentation und Benutzerführung soll bei nahezu allen anderen Kesseln auch mehr als mies sein), aber HDG selbst hat es deutlich an Professionalität im Kundenumgang gemangelt.

Und hier die obligatorische Frage: Würde ich mich heute wieder für einen HDG Kessel entscheiden? Keine Ahnung!

März 2010

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